Weltweite Solidarität mit inhaftierten Bahá’í21. July 2011
Wien – Die jüngsten Razzien gegen Bahá’í-Bildungseinrichtungen im Iran und die damit verbundene Verhaftung von Bahá’í haben weltweite Empörung ausgelöst.
Beim Treffen von Vizekanzler und Außenminister Dr.Michael Spindelegger mit dem iranischen Außenminister Ali Akbar Salehi am 12.Juli 2011 in Wien äußerte Dr.Spindelegger seine ernste Besorgnis über die sich verschlechternde Menschenrechtslage im Iran und erwähnte dabei ausdrücklich die bedrohliche Situation für die Bahá’í.
„Der Iran muss einen Kurswechsel vornehmen“, fand Dr.Spindelegger „klare Worte“ zur Menschenrechtssituation im Iran, wie aus einer Pressemitteilung des Außenministeriums hervorgeht;
Schon am 1.Juni richtete Dr.Spindelegger einen starken Appell an den Iran und forderte Teheran auf, „die Diskriminierung der Bahá’í zu beenden und ihre Rechte zu respektieren.“
Agenten des iranischen Geheimministeriums hatten am 21. und 22.Mai 2011 in mehreren Städten Razzien in 39 Wohnungen von Bahá’í durchgeführt, die eng mit der Tätigkeit des Bahá’í Institute for Higher Education (BIHE) verbunden sind. 18 BIHE-Mitarbeiter wurden festgenommen, neun von ihnen befinden sich weiterhin in Haft, geht aus Angaben des Bahá’í World News Service (BWNS) am 18.Juli 2011 hervor.
1987 hatten die Bahá’í im Iran ihr eigenes Bildungsprogramm, genannt Bahá’í Institute for Higher Education (BIHE), gegründet, da der Bahá’í-Jugend höhere Bildung verwehrt wird. Bahá’í-Professoren und Lehrpersonal, die wegen ihrer Religion entlassen worden waren, stellten ihre Zeit und Erfahrung ehrenamtlich zur Verfügung, um Bahá’í-Studierende zu Hause und durch Fernstudium zu unterrichten.
Unterdessen hat eine Reihe von Persönlichkeiten in Österreich eine Petition an die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur UNESCO gerichtet und an die UNESCO-Generaldirektorin appelliert, den Iran aufzufordern, die Unterdrückung der Bahá’í zu beenden und ihnen das fundamentale Recht auf Bildung nicht mehr zu verwehren. Darunter befindet sich u.a. ein Bundesratsabgeordneter, eine angesehene Autorin, der Vorstand des Instituts für Religionswissenschaft der Universität Wien sowie eine namhafte Historikerin.
Die Obfrau des Menschenrechtsausschusses des Parlaments, Nationalratsabgeordnete Mag.a Alev Korun versicherte, bezüglich der Unterdrückung der Bahá’í weiterhin darauf zu drängen, dass der Druck auf den Iran in dieser Frage nicht nachlässt bzw. verstärkt wird.
Appell „an Akademiker in aller Welt“
Das Leitungsgremium der Scholars for Peace in the Middle East (SPME), einer Organisation, die Akademiker auf der ganzen Welt umfasst, veröffentlichte einen Appell, worin die Razzien und die Verhaftungen scharf verurteilt und die Freilassung der Inhaftierten gefordert werden. Gleichzeitig rief das Leitungsgremien „Akademiker in aller Welt auf, unsere Forderungen nach sofortiger Entlassung der Angehörigen des BIHE zu unterstützen.“ Der Appell wurde über den Original-Text-Service (OTS) der Austria Presse Agentur APA international verbreitet und kann unter www.ots.at/presseaussendung/OTS_20110711_OTS0210/das-spme-board-of-directors-fordert-die-sofortige-freilassung-der-lehrenden-und-angestellten-des-bahai-institute-of-higher-education-im-iran abgerufen werden.
Eine Gruppe führender Akademiker Großbritanniens schrieb in einem offenen Brief, der am 11. Juni im Guardian veröffentlicht wurde: “Die Bahá’í von den Universitäten fernzuhalten, zeigt die Ignoranz der Regierung selbst. Jungen Bahá’í, die nicht studieren dürfen, wird ein grundlegendes Menschenrecht vorenthalten. Ihr Wunsch, sich in die Gesellschaft einzubringen, wird gleich am Beginn ihres Erwachsenenlebens erstickt.“
In Indien unterzeichneten 80 bekannte Persönlichkeiten aus der Justiz, der Wirtschaft und aus Nicht-Regierungsorganisationen sowie von Menschenrechtsgruppen, Universitäten und religiösen Gemeinschaften eine Petition an die iranische Regierung, in der sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der BIHE-Gefangenen fordern.
”Die Folgen der Politik, der Bahá’í-Jugend den Zugang zu Hochschulbildung zu verwehren werden sich nicht nur auf die iranische Bahá’í-Gemeinde, sondern auf das Land als ganzes negativ auswirken“, heißt es in der Petition.
Auch Christian Solidarity Worldwide (CSW) drängt den Iran, seine diskriminierende Bildungspolitik zu beenden. „Obwohl der Iran den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet und damit versprochen hat, die internationalen Normen der Religionsfreiheit für alle Bürger zu gewährleisten, greift der Iran Bahá’í und christliche Gemeinden ganz offensichtlich ausschließlich aufgrund ihres Glaubens an“, sagte der Generaldirektor von CSW, Mervyn Thomas.
In den USA sagte Senator Mark Kirk, der in diesem Jahr eine Resolution des Senats, in der die Verfolgung der Bahá’í im Iran verurteilt wird, initiierte, dass die internationale Gemeinschaft die neuesten Verhaftungen “scharf verurteilen” sollte. „Ich verspreche, dass wir unsere Anstrengungen im Senat verdoppeln werden, um die iranische Bahá’í-Gemeinde und alle iranischen Bürger, die sich nach Menschenrechten, Freiheit und Demokratie sehnen, zu unterstützen”, betonte der Senator.
Die International Campaign for Human Rights in Iran und die U.S. Commission on International Religious Freedom forderten ebenfalls die Freilassung der Gefangenen.
Artikel über die Angriffe auf die BIHE erschienen unter anderem in der österreichischen Tageszeitung Der Standard, in der brasilianischen Zeitung O Globo, der Washington Post und beim australischen ABC Radio, wie auch auf dem Webseiten von CNN International, University World News und Radio Free Europe.
Rückfragen: Ottilie Käfer, Pressesprecherin der Bahá’í-Religionsgemeinschaft Österreich E-Mail: office.ea@at.bahai.org Tel. 0664 320 29 27
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