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Baha’i-Weltgemeinde fordert Freilassung eines zum Tode verurteilten Pfarrers


05. October 2011




Genf/Teheran/Wien - Die Internationale Bahá’í-Gemeinde hat sich den Forderungen von Regierungen und Menschenrechtsorganisationen angeschlossen, Youcef Nadarkhani, einen christlichen Pfarrer aus Rasht im Iran, freizulassen. Pfarrer Nadarkhani, Vater zweier kleiner Kinder, leitet ein Netzwerk von Hausgemeinden. Nun wurde er der Apostasie für schuldig befunden.

 

Er habe „dem Islam den Rücken gekehrt“ und „Muslime zum Christentum bekehrt“, so die Begründung. Im September 2010 wurde er zum Tod verurteilt. Irans Oberster Gerichtshof hatte vor kurzem eine Überprüfung des Falles angeordnet, um nachzuweisen, ob er als Erwachsener ein praktizierender Muslim war, bevor er zum Christentum übertrat. Nach Auffassung des Gerichts war er das nicht, gleichwohl sei er der Apostasie schuldig, da er muslimischer Herkunft sei.

 

Der Fall wurde weltweit von Regierungen, Organisationen und religiösen Führern scharf verurteilt. So bezeichnete der österreichische Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger die Berichte über die drohende Todesstrafe gegen Nadarkhani als „zutiefst beunruhigend. Religionsfreiheit ist Teil der universellen Menschenrechte. Die Anklage von Pastor Nadarkhani ist ein weiterer schwerer Verstoß gegen die internationale Verpflichtung des Iran“, betonte Spindelegger und forderte die iranische Regierung auf, den Pastor umgehend freizulassen. Der Außenminister unterstrich ebenso, dass auch „die anhaltende Haft der Führung der Baha’i unter extremen Bedingungen und der derzeitige Prozess gegen die Verantwortlichen des Baha’i Institute for Higher Education (BIHE) sowie die Verfolgung von Vertretern von Sufi- und Sunni-Gemeinschaften drastische Verletzungen des Prinzips der Religionsfreiheit bedeuten.“

Am 1. Oktober 2011, in Folge des internationalen Aufschreis, berichteten iranische staatliche Medien, dass Pfarrer Nadarkhani tatsächlich aus anderen Gründen verurteilt worden sei, darunter Gewaltverbrechen, Erpressung, Zionismus und Verrat. Diese Vorwürfe wurden während der gesamten Zeit der Anklage, des Prozesses und der Verurteilung kein einziges Mal erwähnt, auch nicht bei der letzten gerichtlichen Anhörung.

 

Stellungnahme der Internationalen Bahá’í-Gemeinde

„Wir schließen uns denjenigen an, die gegen die Verurteilung von Pfarrer Youcef Nadarkhani protestieren und fordern seine Freilassung.

 

Dass ein Gericht jemanden mit muslimischer Herkunft verurteilt, der sich aus freien Stücken entschieden hat, Christ zu werden, ist ein weiteres Beispiel für die Brutalität, mit der die iranischen Behörden gegen ihr eigenes Volk vorgehen.

Die kürzlich veröffentlichte Erklärung, die besagte, dass - angesichts des internationalen Aufschreis gegen seine Verurteilung - die Anklagepunkte gegen Pfarrer Nadarkhani geändert wurden, zeigt nur wieder einmal die Willkür des iranischen Rechtssystems und die offenkundige Ungerechtigkeit der Lage.

 

Das Urteil, das ihn erwartet, ist nicht nur verwerflich; es stellt eine Verletzung jedes rechtlichen, moralischen, geistigen und humanitären Standards dar.

Welche weltliche Regierung kann sich vernünftigerweise anmaßen, dass es die Macht hat, das Recht auf Glaubensfreiheit einzuschränken? Glaube ist nicht etwas, das weggenommen oder verhandelt werden kann; es ist eine Frage der Überzeugung, des Herzens, des Verstandes und der Seele, außerhalb des Einflussbereichs von staatlicher Kontrolle.

Die Bahá’í-Gemeinde kann die schwierigen Bedingungen sehr gut nachvollziehen, denen Minderheiten im heutigen Iran ausgesetzt sind. Jetzt ist es offenkundig, dass auch diejenigen Minderheiten, die nominell vom Staat anerkannt sind, der Mehrheit genauso untergeordnet sind wie diejenigen, die keine Rechte haben.

 

Es besteht kein Bedarf, hier die endlose Liste von Hinrichtungen, Folter, Inhaftierungen, Enteignung und weiterer Bedrängnis in Erinnerung zu rufen, dem das leidgeprüfte iranische Volk ausgesetzt ist.

Alle Verlautbarungen der Repräsentanten des Landes auf internationaler Ebene stehen im Widerspruch zu dem, wie sie ihr eigenes Volk zu Hause behandeln. Dennoch reisen seine Funktionäre ungehindert in andere Länder, wo sie eine Plattform erhalten, um ihre Lügen zu verbreiten und die unbarmherzige Behandlung ihrer eigenen Bürger zu leugnen, während sie der Welt gegenüber ihren angeblich guten Willen demonstrieren.

Es gibt noch viel zu tun, um die Menschen weltweit auf die Scheinheiligkeit einer Regierung aufmerksam zu machen, die ihre Bevölkerung umfassend und fortwährend unterdrückt.

 

Es gibt noch viel zu tun, um die Menschheit für das zu sensibilisieren, was innerhalb des Iran vor sich geht und um zu erkennen, was passieren kann, wenn wir versäumen, uns gegen staatlich gestützte Hasskampagnen zu wehren.“

Rückfragen:

Ottilie Käfer, Pressesprecherinder Baha’i-Religionsgemeinschaft Österreich

Baha’i Center Austria, Maroltingergasse 2

1140 Wien, Tel. 0664 320 29 27

Email: otti.kaefer@tele2.at oder office.ea@at.bahai.org

 








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