Iranische Medien hetzen gegen die Baha’i21. October 2011 New York/Wien - In einer umfangreichen Medienkampagne, die außerhalb des Iran praktisch unbemerkt bleibt, werden systematisch Hass und Diskriminierung gegen die über 300.000 Anhänger zählende Bahá’í-Gemeinde Irans geschürt.
Der Bericht dokumentiert und analysiert mehr als 400 iranische Medienbeiträge zwischen Ende 2009 und Anfang 2011, welche die iranische Bahá'í-Gemeinde verleumden.
In einem jetzt von der Internationalen Baha’i-Gemeinde in New York veröffentlichten Bericht werden mehr als 400 Presse- und Beiträge gegen die Bahá’í in den iranischen Medien analysiert. Sie geben einen Einblick in die perfide, staatlich geförderte Hetzkampagne, mit der die Bahá’í durch falsche Anklagen, aufhetzerische Wortwahl und geschmacklose Bildsprache dämonisiert und verleumdet werden. Der Bericht gibt Medienbeiträge aus einem Zeitraum von 16 Monaten wieder.
“Diese gegen die Bahá’í gerichtete Propaganda ist schockierend – in Bezug auf ihren Umfang und Heftigkeit, ihre Reichweite und Durchtriebenheit”, betont Bani Dugal, Sprecherin der Internationalen Bahá’í-Gemeinde am Sitz der Vereinten Nationen in New York. “Auf zynische Weise ist alles kalkuliert, um den Antagonismus gegen eine friedfertige religiöse Gemeinde anzuheizen, deren Mitglieder sich dafür einsetzen, etwas zum Wohlergehen der Gesellschaft beizutragen“, sagte sie.
Wir geben hier die wesentlichen Ergebnisse des Berichts mit dem Titel “Inciting Hatred: Iran's media campaign to demonize Baha'is“ wieder: Die Propaganda gegen die Bahá’í stammt und ist abgesegnet von den höchsten Führungsschichten der Islamischen Republik, einschließlich des Obersten religiösen Führers, Ayatollah Ali Khamenei, der vor einem Jahr eine äußerst diskriminierende Rede in der heiligen Stadt Qom hielt; die Kampagne verunglimpft internationale Menschenrechte und Normen, darunter die richtungsweisende Resolution des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen von diesem Jahr, welche negatives Stereotypieren und das Schüren von Hass gegen religiöse Minderheiten dezidiert verurteilt und bekämpft;
Bahá’í werden in ihrem eigenen Land als “Andere” bzw. Außenseiter und Feinde des Islam gebrandmarkt, und zwar auf eine Art und Weise, die klar und deutlich darauf abzielt, die religiösen Empfindlichkeiten iranischer schiitischer Muslime zu verletzen; die Kampagne soll die Aufmerksamkeit von dem Ruf nach Demokratie im Iran ablenken, indem die Bahá’í als „Sündenböcke“ für alles herhalten müssen und gleichzeitig Regierungsgegner und Menschenrechtsaktivisten als Bahá’í verleumdet werden, „als ob dies das abscheulichste Verbrechen wäre“;
die Behörden streuen groteske Verschwörungstheorien, etwa dass ausländische Medien, vor allem die British Broadcasting Corporation (BBC) und Voice of America (VOA) von Bahá’í kontrolliert oder beeinflusst werden, weil sie Beiträge über Menschenrechtsverletzungen im Iran senden.
Weltweite Aufmerksamkeit gefordert
“Die vielschichtigen Inhalte dieser Angriffe zeigen ungeheure Mühe und den Einsatz von Ressourcen durch die Islamische Republik“, heißt es in dem Bericht. “Viele Angriffe bauen auf einer groben Verzerrung der iranischen Bahá’í-Geschichte auf, andere verfolgen eine Strategie der Schuldzuweisung, indem die Bahá’í mit anderen vollkommen fremden Gruppen wie den Satanisten oder der Geheimpolizei des Schahs in einen Topf geworfen werden, wieder andere verfolgen die Taktik, die Bahá’í mit den Gegnern des Regimes in Verbindung zu bringen, so dass die Regierung sowohl die Bahá’í als auch die Gegner gemeinsam angehen kann. Die Kampagne nutzt intensiv das Internet und setzt oft Bildmaterialien ein, welche die Bahá’í als leichenschändende Monster oder Agenten Israels darstellen.
Bani Dugal ist davon überzeugt, dass die Verteufelung der iranischen Bahá’í-Gemeinde eine Angelegenheit sei, die die weltweite Aufmerksamkeit der Regierungen, internationaler Rechtsinstitutionen und allen wohlmeinenden Menschen verdiene.
“Die Kampagne verletzt nicht nur internationale Menschenrechte“, sagte sie. “Sie widerspricht auch dem langjährigen Anspruch des Iran bei den Vereinten Nationen und andernorts, dass er sich dafür einsetzt, Hassparolen gegen Religionen oder religiöse Anhänger zu verbieten oder zu verurteilen.“ ”Die Parallelen zwischen der Anti-Bahá’í-Propaganda im heutigen Iran und anderen, staatlich geförderten anti-religiösen Kampagnen ist nicht zu leugnen. Die Geschichte zeigt uns, dass solche Kampagnen zu den deutlichsten Anzeichen tatsächlicher Gewalt gegen religiöse Minderheiten gehören oder im schlimmsten Fall Vorboten eines Genozids sind. “Es ist an der Zeit, dem Iran zu sagen, dass solche unerhörten Verletzungen internationalen Rechts und Normen nicht toleriert werden können.”
Rückfragen: Ottilie Käfer, Pressesprecherin der Baha’i-Religionsgemeinschaft Österreich Baha’i Center Austria, Maroltingergasse 2 1140 Wien, Tel. 0664 320 29 27 Email: office.ea@at.bahai.org |
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